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„Reale Bildung“ statt Einbahnstraße: Was hinter dem neuen Bundesverband „Reale Bildung“ steckt

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Gastbeitrag: Ralf Neugschwender, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Reale Bildung (BVRB)

Bildung muss auf das Leben vorbereiten. Das klingt selbstverständlich, ist im schulischen Alltag aber ein Anspruch, den wir immer wieder neu mit Leben füllen müssen. Junge Menschen brauchen fachliches Wissen, Orientierung und die Fähigkeit, dieses Wissen in der Praxis anzuwenden. Sie müssen ihre Stärken entdecken, Entscheidungen treffen und ihren eigenen Weg finden können. Genau dafür steht reale Bildung. Und genau diesen Anspruch haben wir als Verband in den vergangenen Jahren noch einmal grundlegend geschärft.

Ralf Neugschwender, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Reale Bildung Foto: Florian Böhm
Autor des Beitrags

Ralf Neugschwender

Bundesvorsitzender des Bundesverbands Reale Bildung (BVRB)

Ralf Neugschwender ist Bundesvorsitzender des Bundesverbands Reale Bildung (BVRB), der im Mai 2026 aus dem Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) hervorgegangen ist. Er engagiert sich für die Stärkung der Realschulbildung, eine praxisnahe Berufsorientierung und die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildungswege.

Mehr über den Bundesverband Reale Bildung

Warum aus dem VDR der BVRB wurde

Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) blickt auf eine lange Tradition zurück. Über Jahrzehnte haben wir uns für die Realschule, ihre Lehrkräfte und die Qualität eines differenzierten Schulwesens eingesetzt. Dieser Auftrag bleibt bestehen. Gleichzeitig hat sich die deutsche Schullandschaft verändert. In vielen Bundesländern gibt es die klassische Realschule als eigenständige Schulform nicht mehr. Der Bedarf an einer fundierten Bildung, die zum Mittleren Schulabschluss führt und vielfältige Anschlüsse ermöglicht, ist deshalb aber keineswegs verschwunden.

Für uns stellte sich eine grundsätzliche Frage: Wie können wir unseren Auftrag so beschreiben, dass er die heutige Bildungsrealität abbildet und zugleich deutlich macht, wofür wir uns in Zukunft einsetzen wollen?

Die Antwort ist der Bundesverband Reale Bildung. Auf unserer Bundesdelegiertenversammlung am 8. Mai 2026 in Bad Kissingen haben die Delegierten mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit die Namensänderung und die entsprechende Satzungsänderung beschlossen. Der neue Name ist mehr als eine organisatorische Anpassung. Er beschreibt den Anspruch, Bildungswege nicht allein über Schulformen und Abschlüsse zu definieren, sondern über das, was junge Menschen tatsächlich lernen, können und mit diesem Wissen anfangen.

Unser Untertitel „Für Realschulbildung in Deutschland“ macht dabei deutlich, wo unsere Wurzeln liegen. Wo es die Realschule gibt, setzen wir uns weiterhin entschieden für ihren Erhalt, ihre Stärkung und ihre gesellschaftliche Anerkennung ein. Zugleich richten wir den Blick auf alle Schulformen, die junge Menschen zu einem qualitätsvollen Mittleren Schulabschluss führen.

Ein neues Leitbild braucht klare Grundlagen

Im Mittelpunkt steht ein Bildungsverständnis, das Leistung anerkennt, individuelle Entwicklung ermöglicht und unterschiedliche Begabungen ernst nimmt. Wir stehen für ein differenziertes Schulwesen mit klaren Bildungszielen, verlässlichen Standards und durchlässigen Wegen. Wir wollen jungen Menschen etwas zutrauen, ihnen Orientierung geben und sie dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Dazu gehört auch ein positiver Leistungsbegriff. Leistung ist nicht nur das Ergebnis einer Prüfung. Sie zeigt sich ebenso in Anstrengung, Kompetenzentwicklung, Verantwortungsübernahme und der Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen. Transparente Bewertungen und verlässliche Abschlüsse bleiben dabei wichtig. Gleichzeitig müssen praxisnahe Aufgaben, Projekte und zeitgemäße Prüfungsformate zeigen können, was Schülerinnen und Schüler tatsächlich beherrschen.

Wir wollen jungen Menschen etwas zutrauen, ihnen Orientierung geben und sie dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Der Leitantrag: unser Kompass für die kommenden vier Jahre

Mit der Namensänderung allein ist es nicht getan. Auf der Bundesdelegiertenversammlung haben wir als BVRB deshalb auch einen einstimmig verabschiedeten Leitantrag beschlossen, der die bildungspolitischen Schwerpunkte unserer Arbeit für die kommende Legislaturperiode festlegt.

Er umfasst zentrale Zukunftsfragen: einen positiven Leistungsbegriff, die Stärkung der Berufsorientierung, Demokratiebildung, einen konsequenten Schutz von Lehrkräften vor Gewalt, eine pädagogisch sinnvolle Digitalisierung und ein leistungsfähiges, differenziertes Bildungswesen. Dahinter steht ein gemeinsamer Gedanke: Schule muss verlässlich sein und sich zugleich auf die Lebenswirklichkeit junger Menschen einstellen.

Besonders wichtig ist uns die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung. Das Abitur ist ein wertvoller Bildungsabschluss, aber nicht der einzig mögliche Weg zu einem erfolgreichen Berufsleben. Eine Ausbildung in Handwerk, Industrie oder Handel kann ebenso anspruchsvoll sein, hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen und die Grundlage für weitere Qualifikationen bilden. Umgekehrt muss auch nach einer beruflichen Ausbildung der Weg zu höheren Abschlüssen offenstehen.

Berufliche Bildung ist kein Plan B. Sie ist ein gleichwertiger Bildungsweg mit hoher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Wer das ernst nimmt, muss Berufsorientierung als festen Bestandteil schulischer Bildung verstehen und nicht als gelegentliche Veranstaltung kurz vor dem Abschluss.

Schule muss verlässlich sein und sich zugleich auf die Lebenswirklichkeit junger Menschen einstellen.

Berufsorientierung muss systematisch in der Schule verankert sein

Berufsorientierung muss deshalb frühzeitig beginnen, kontinuierlich stattfinden und sich durch die gesamte Schullaufbahn ziehen. Sie darf sich nicht auf Bewerbungstrainings, Berufsmessen oder einzelne Praktikumstage beschränken. Junge Menschen brauchen Gelegenheiten, ihre Interessen und Fähigkeiten kennenzulernen, unterschiedliche Berufsfelder auszuprobieren und ihre Vorstellungen mit der Realität abzugleichen.

Dafür benötigen Schulen verlässliche Konzepte, ausreichend Zeit und feste Ansprechpartner. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft. Unternehmen und Betriebe, die Kammern (HWK, IHK), berufliche Schulen und weitere Ausbildungspartner können Einblicke ermöglichen, die Unterricht allein nicht leisten kann. Praktika, Betriebsbesuche, gemeinsame Projekte und Gespräche mit Auszubildenden machen Berufe greifbar.

Digitalisierung eröffnet neue Chancen, wenn wir sie pädagogisch nutzen

Auch die Digitalisierung kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Digitale Lernangebote, virtuelle Einblicke in Berufsfelder, interaktive Kompetenzanalysen und digitale Kontakte zu Ausbildungsbetrieben können die Berufsorientierung ergänzen und neue Zugänge schaffen. Gerade dort, wo Betriebe oder bestimmte Berufsfelder vor Ort nur schwer erreichbar sind, können digitale Formate Horizonte erweitern.

Entscheidend ist jedoch, dass Technik kein Selbstzweck wird. Digitale Werkzeuge müssen pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden, Lernprozesse unterstützen und echte Begegnungen ergänzen, nicht ersetzen. Dazu gehören eine verlässliche technische Ausstattung, qualifizierte Lehrkräfte und eine systematische Förderung von Medienkompetenz. Junge Menschen sollen digitale Möglichkeiten nicht nur konsumieren, sondern kritisch beurteilen und produktiv nutzen können.

Reale Bildung verbindet Wissen mit Handeln

Hier schließt sich der Kreis zu unserem neuen Namen und zu einem Bildungsverständnis, das uns als BVRB besonders wichtig ist. Reale Bildung bedeutet, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Sie vermittelt nicht nur Wissen, sondern befähigt junge Menschen, dieses Wissen anzuwenden, Zusammenhänge zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen.

Reale Bildung bedeutet, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden.

Eine zukunftsfähige Schule erkennt man deshalb nicht allein an ihren digitalen Geräten oder an guten Prüfungsergebnissen. Sie zeigt sich auch daran, ob junge Menschen nach der Schule einen passenden Anschluss finden und ihren Bildungsweg mit Zuversicht fortsetzen können.

Mit dem Bundesverband Reale Bildung haben wir unseren Anspruch neu auf den Punkt gebracht. Jetzt geht es darum, ihn gemeinsam umzusetzen: mit starken Schulen, einer verbindlichen Berufsorientierung, verlässlichen Partnerschaften mit der Wirtschaft und einer Digitalisierung, die dem Lernen dient.

Denn Bildung soll nicht nur zu einem Abschluss führen. Sie soll den Anschluss ermöglichen – an die eigenen Fähigkeiten, an die Arbeitswelt und an eine selbstbestimmte Zukunft.

Mit co.Tec digitale Bildung gemeinsam gestalten

Eine zukunftsfähige Bildung braucht nicht nur die richtigen Konzepte, sondern auch die passenden Rahmenbedingungen. Als erfahrener Bildungspartner unterstützt co.Tec Schulen und Schulträger dabei, Digitalisierung pädagogisch sinnvoll und praxisnah umzusetzen – von der technischen Ausstattung bis zur Beratung und Fortbildung.

Sie haben Fragen oder möchten sich mit uns austauschen? Schreiben Sie uns gerne an info@cotec.de.

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