Der DigitalPakt 2.0 ist gestartet. Bund und Länder investieren in den kommenden Jahren erneut Milliarden in die digitale Bildung – von moderner Infrastruktur über digitale Endgeräte bis hin zu Lehr- und Lernplattformen.
Doch technische Ausstattung allein macht noch keinen guten digitalen Unterricht. Ein Tablet, Microsoft 365 oder ein KI-Werkzeug entfalten ihren pädagogischen Nutzen erst dann, wenn Lehrkräfte wissen, wann, warum und wie sie diese sinnvoll einsetzen können.
Genau deshalb gehört neben der technischen Ausstattung auch die Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen im Kollegium zu einer nachhaltigen digitalen Schulentwicklung.
DigitalPakt 2.0: Technik und Kompetenzen zusammendenken
Der DigitalPakt 2.0 betrachtet Digitalisierung breiter als reine Infrastruktur. Neben Investitionen in Technik spielen auch Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie die Qualifizierung von Lehrkräften eine wichtige Rolle.
Für Schulen bedeutet das vor allem: Wer langfristig von neuer digitaler Ausstattung profitieren möchte, sollte technische Investitionen und die Weiterentwicklung des Kollegiums gemeinsam betrachten.
Mehr zum aktuellen Stand, den Fördermöglichkeiten und zur Umsetzung in den einzelnen Bundesländern finden Sie in unserem laufend aktualisierten Beitrag zum DigitalPakt 2.0 für Schulen und Schulträger.
Warum gute Ausstattung allein nicht reicht
Viele Schulen haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei ihrer technischen Ausstattung gemacht. Tablets wurden angeschafft, WLAN ausgebaut, digitale Tafeln installiert und Plattformen eingeführt. Damit beginnt die eigentliche Arbeit aber häufig erst.
Denn zwischen dem Vorhandensein digitaler Technik und ihrem lernwirksamen Einsatz liegt eine entscheidende Kompetenz: Lehrkräfte müssen digitale Möglichkeiten pädagogisch beurteilen und auf ihren eigenen Unterricht übertragen können.
Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, eine bestimmte Anwendung bedienen zu können.
Lehrkräfte müssen digitale Möglichkeiten pädagogisch beurteilen und auf ihren eigenen Unterricht übertragen können.
Fragen aus dem Schulalltag sind beispielsweise:
- Welches digitale Werkzeug unterstützt mein Lernziel tatsächlich?
- Wann bietet ein Tablet einen Mehrwert und wann ist Papier die bessere Wahl?
- Wie lassen sich digitale Medien zur Differenzierung einsetzen?
- Wie können Schüler selbst kreativ und produktiv mit digitalen Werkzeugen arbeiten?
- Welche Regeln braucht eine Klasse für den Umgang mit digitalen Endgeräten?
- Was dürfen KI-Systeme im Unterricht leisten und wo liegen ihre Grenzen?
- Wie müssen sich Aufgaben und Leistungsbewertung verändern, wenn Schüler KI nutzen können?
Medienkompetenz bedeutet deshalb wesentlich mehr als Bedienkompetenz.
Gute Fortbildung beginnt nicht beim Tool
Genau hier sollten auch Schulen ansetzen, wenn sie Fortbildungen für ihr Kollegium planen.
Die erste Frage sollte nicht lauten: „Welche Funktionen bietet Microsoft Teams, das iPad oder dieses KI-Tool?“
Sondern: „Was möchten wir in unserem Unterricht verbessern und welche Kompetenzen benötigen wir dafür?“
Das klingt nach einem kleinen Unterschied, verändert die Fortbildungsplanung aber grundlegend. Nehmen wir beispielsweise das Thema iPad. Eine reine Funktionsschulung kann zeigen, wo bestimmte Einstellungen zu finden sind oder wie einzelne Apps funktionieren.
Ein pädagogischer Ansatz geht einen Schritt weiter: Wie können Schüler Lerninhalte multimedial erklären? Wie lassen sich unterschiedliche Lernstände berücksichtigen? Wie kann kollaboratives Arbeiten organisiert werden? Welche Regeln verhindern, dass das Gerät im Unterricht eher ablenkt als unterstützt?
Die Technik wird damit zum Werkzeug – nicht zum eigentlichen Fortbildungsziel.
Fünf Faktoren für nachhaltige Medienkompetenz im Kollegium
1. Entwicklungsstand kennen
Nicht alle Lehrkräfte starten auf demselben Niveau. Fortbildungen sollten unterschiedliche Vorkenntnisse berücksichtigen.
2. Unterricht im Mittelpunkt
Nicht Funktionen erklären, sondern konkrete Unterrichtssituationen lösen und direkt anwendbare Ideen entwickeln.
3. Kleine Schritte ermöglichen
Entscheidend ist, was Lehrkräfte schon am nächsten Tag ausprobieren und in ihren Unterricht integrieren können.
4. Austausch fördern
Erfahrungen aus dem Kollegium helfen dabei, erfolgreiche Ansätze weiterzugeben und gemeinsam weiterzuentwickeln.
5. Wissen verankern
Multiplikatoren und Digitalteams sorgen dafür, dass Know-how langfristig in Schule und Kollegium erhalten bleibt.
KI macht Medienkompetenz noch wichtiger
Besonders deutlich wird der Fortbildungsbedarf derzeit beim Thema Künstliche Intelligenz.
KI-Systeme können Lehrkräfte beispielsweise bei Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung oder Differenzierung unterstützen. Gleichzeitig können Schüler mit wenigen Eingaben Texte, Bilder, Präsentationen oder Lösungsvorschläge erzeugen. Damit entstehen neue Möglichkeiten, aber auch neue Fragen.
Wie überprüft man KI-Ergebnisse? Wie erkennt man Fehler und Halluzinationen? Was bedeutet KI für Hausaufgaben, Referate oder Leistungsnachweise? Welche Kompetenzen benötigen Schüler, um KI-generierte Inhalte kritisch beurteilen zu können?
Eine gute KI-Fortbildung sollte deshalb nicht darin bestehen, möglichst viele Tools kennenzulernen. Entscheidend ist, pädagogische, technische und rechtliche Fragen miteinander zu verbinden und daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Unterricht abzuleiten.
Von Lehrkräften für Lehrkräfte: ein möglicher Praxisansatz
Wie Fortbildung nah am Schulalltag gestaltet werden kann, zeigen beispielsweise die Medienkompetenzlehrer.
Das Netzwerk besteht aus aktiven Lehrkräften unterschiedlicher Schulformen und Fächer. Die Referenten bringen dadurch nicht nur Wissen über digitale Werkzeuge, sondern auch Erfahrungen aus ihrem eigenen Unterricht mit.
Ein wichtiger Ansatz ist die Anpassung an die jeweilige Schule. Voraussetzungen, gewünschte Schwerpunkte und der Kenntnisstand des Kollegiums können im Vorfeld abgestimmt und die Inhalte entsprechend ausgerichtet werden. Über co.Tec stehen verschiedene Angebote für Schulen und Schulträger zur Verfügung.
Künstliche Intelligenz
KI sinnvoll im Unterricht einsetzen, Chancen erkennen und einen reflektierten Umgang vermitteln.
Microsoft 365
Digitale Zusammenarbeit, Unterrichtsorganisation und gemeinsames Arbeiten praxisnah gestalten.
iPad im Unterricht
Vom sicheren Einstieg bis zum konkreten pädagogischen Einsatz im Unterricht.
Neue Technik schafft Möglichkeiten. Medienkompetenz sorgt dafür, dass daraus guter Unterricht werden kann.
Fazit: Digitale Schule entsteht nicht durch Technik allein
Der DigitalPakt 2.0 schafft neue Möglichkeiten, die Digitalisierung an Schulen weiter voranzubringen. Ob diese Möglichkeiten langfristig Wirkung zeigen, entscheidet sich jedoch nicht allein an WLAN, Geräten oder Software.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage, was Lehrkräfte und Schüler damit machen können. Neue Technik schafft Möglichkeiten. Medienkompetenz sorgt dafür, dass daraus guter Unterricht werden kann.
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