1.
Der Digitalpakt 2.0 im Fokus
Der Digitalpakt 2.0 rückt die digitale Bildung erneut bundesweit in den Fokus – von Infrastruktur über digitale Lehr- und Lernprozesse bis hin zu KI, Medienkompetenz und nachhaltiger Schul-IT. Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen, um Schulen in Deutschland digital zukunftsfähig aufzustellen?
„Bei uns in Bayern haben wir die Hardware-Fragen inzwischen weitgehend beantwortet. Jetzt geht es darum, das Zusammenspiel von Bildung und Digitalisierung weiter zu denken: weg vom Technikprojekt, hin zum Bildungsprojekt. Digitale Tools sind dabei kein Selbstzweck, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil des Werkzeugkoffers zeitgemäßer Pädagogik. Es gilt ihre Vorteile gezielt auszuspielen, um modernen Unterricht zu differenzieren und bereichern. Wenn Schülerinnen und Schüler zum Beispiel mithilfe von Virtual Reality durch das Anne-Frank-Haus in Amsterdam gehen können, entsteht ein Lernerlebnis, dessen Tiefe kein Geschichtsbuch leisten kann.“

Dr. Fabian Mehring
Bayerischer Staatsminister für Digitales
Dr. Fabian Mehring ist seit dem 8. November 2023 Bayerischer Staatsminister für Digitales. Er gilt als leidenschaftlicher Antreiber für Tech, Innovation und digitale Transformation.
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Innovation aus Bayern
Sie setzen sich als Bayerischer Staatsminister für Digitales stark für Innovation, Vernetzung und digitale Zukunftsthemen ein, unter anderem auch als Schirmherr des ed.one Education Innovation Summit. Welche Impulse aus Bayern können aus Ihrer Sicht bundesweit dazu beitragen, digitale Bildung praxisnah, innovativ und nachhaltig weiterzuentwickeln?
„Erfolgsentscheidend ist zu verstehen, dass KI und Co. kein Science-Fiction-Schreckgespenst aus der Zukunft sind, sondern der bedeutsamste Technologiesprung unserer Gegenwart. Folgerichtig müssen wir die nächste Generation nicht durch Verbote vor neuen Technologien beschützen, sondern unseren Kindern die notwendigen Kompetenzen vermitteln, um als kritisch-reflektierte Nutzer im KI-Zeitalter klarzukommen. Zusammen mit Kultusministerin Anna Stolz zeigen wir deshalb in unserem Schulversuch KI@school, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll in innovative Schulkonzepte integriert werden kann. Außerdem haben wir gezielt die Tür für moderne Prüfungsformate geöffnet. Denn: In der Arbeitswelt von morgen ist KI eine Selbstverständlichkeit – im Schulalltag muss sie deshalb so alltäglich werden wie Taschenrechner oder Internet. Mit unseren Initiativen bringen wir deshalb gezielt Schule, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen und machen Zukunftstechnologien im Klassenzimmer erlebbar.“
3.
Digitale Bildung nachhaltig im Schulalltag implementieren
Schulen, Kommunen und Schulträger stehen oft vor der Herausforderung, digitale Ausstattung nicht nur anzuschaffen, sondern langfristig sinnvoll zu betreiben. Was braucht es, damit digitale Bildung nachhaltig im Schulalltag ankommt?
„Mit dem gesetzlich verankerten Vier-Säulen-Zuschuss schaffen wir ab 2027 eine verlässliche Grundlage für die nachhaltige Finanzierung der digitalen Schule – von der Infrastruktur über Betrieb und Support bis hin zu digitalen Bildungsmedien und KI-Anwendungen. So unterstützen wir in Bayern unsere Sachaufwandsträger auch nach der Anschaffung ihrer digitalen Infrastruktur dauerhaft beim Betrieb. Aber: Hardware allein macht natürlich noch keine digitale Schule. Für mich ist Medienkompetenz die Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts. Sie gehört deshalb in alle Klassenzimmer. Deshalb stärken wir die Medienbildung fächerübergreifend und verengen das Thema nicht auf den Informatikunterricht. Unser Ziel ist klar: Junge Menschen sollen digitale Technologien nicht nur nutzen, sondern souverän, kritisch und selbstbestimmt beherrschen.“
4.
Schulen als Türöffner für Technik-Begeisterung
Sie betonen immer wieder die Bedeutung von Innovation, Technologie und digitaler Souveränität für den Standort. Welche Rolle spielen Schulen dabei, junge Menschen frühzeitig für digitale Kompetenzen, MINT, KI und Zukunftstechnologien zu begeistern?
„Digitale Souveränität ist angesichts der aktuellen geopolitischen Lage zu einem Masterthema unserer Zeit geworden. Unsere Schulen leisten hier bereits echte Pionierarbeit – mit unserer während der Pandemie entwickelten BayernCloud Schule, die sehr weitgehend auf Open Source und souveräne Strukturen setzt. Mir persönlich liegt besonders die MINT-Förderung am Herzen: Mit unseren Makerspaces oder Programmen wie BayCode, über das wir unter der Schirmherrschaft unseres Nationalkeepers Manuel Neuer kostenlose Programmierkurse in den Schulen anbieten, bringen wir junge Menschen ins Tüfteln, Programmieren und Experimentieren. So stiften wir in den Köpfen junger Menschen Begeisterung für neue Technologien. Ich bin überzeugt, dass uns das künftig auch dabei helfen wird souveräner zu werden. Denn: Die Innovationen von morgen entstehen dort, wo junge Menschen heute die Möglichkeit bekommen, sich und ihre Ideen auszuprobieren. Wer das Silicon Valley der Zukunft werden will, muss das Talent Valley der Gegenwart sein.“
5.
Zusammenarbeit zwischen Politik, Schulen, Trägern und Unternehmen für moderne Lernumgebungen
Auch EdTech-Unternehmen, Start-ups und Bildungsinitiativen können wichtige Impulse für moderne Lernumgebungen setzen. Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Politik, Schulen, Schulträgern und innovativen Bildungsunternehmen aus Ihrer Sicht gelingen?
„Indem wir uns als ein Team mit dem gemeinsamen Ziel verstehen, die nächste Generation bestmöglich auf ein Leben vorzubereiten, das von unvorstellbaren Technologiesprüngen geprägt sein wird. Wie dabei die Zusammenarbeit zwischen Schulen und EdTech-Unternehmen erfolgreich funktionieren kann, hat die Stiftung Bildungspakt Bayern mit Schulversuchen wie KI@school eindrucksvoll gezeigt. Mit der BayernCloud Schule haben wir zudem eine offene Plattform geschaffen, über die alle Schulen digitale Angebote flexibel nutzen können. Die Rahmenbedingungen, unter denen Schulpraxis und Technologie zusammenkommen können, sind inzwischen also da. Erfolgskritisch ist nun die Bereitschaft der Pädagogen, sich darauf einzulassen. Wichtig ist außerdem, dass Unternehmen nicht an den Schulen vorbei entwickeln, sondern echte Bedarfe von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern adressieren.“
6.
Lebenslanges Lernen und die Fortschrittsdynamik unserer Zeit
Wenn Sie Schulen und Schulträgern in Deutschland eine zentrale Botschaft für die nächsten Jahre der digitalen Transformation mitgeben könnten: Welche wäre das?
„Die Feststellung, dass wir Bildung gemeinsam neu denken müssen. Denn: Die Entwicklungsdynamik auf dem Tech-Sektor ist heutzutage derart hoch, dass wir es mit nie gekannten Halbwertszeiten zu tun haben. Während sich signifikanter technischer Fortschritt früher über Generationen entwickelte, geschieht er heute disruptiv binnen weniger Jahre. Die Technologien, über die wir sprachen, als ich vor drei Jahren ins Amt kam, sind heute schon Schnee von gestern und nahezu irrelevant. Eine Bildungsidee, nach der man in Schule und Ausbildung Wissen erwirbt, mit dem man anschließend über Jahrzehnte im Leben und auf dem Arbeitsmarkt bestehen kann, hat sich folglich überholt. Stattdessen müssen wir jungen Menschen die Kompetenz-Kompetenz dafür vermitteln, sich durch lebenslanges Lernen mit der rasanten Fortschrittsdynamik ihrer Zeit zu arrangieren. Zeitgleich erleichtert KI den jederzeitigen Zugriff auf sämtliches Wissen, was den Fokus von Bildung auf die menschliche Urteilskraft verlagert. In Zukunft wird gelten: Die KI liefert die Fakten. Der Mensch stiftet den Sinn!“
Kurz erklärt
Was bedeutet Kompetenz-Kompetenz?
Im Bildungskontext meint Kompetenz-Kompetenz die Fähigkeit, sich selbstständig neue Kompetenzen anzueignen. Gerade in einer digital geprägten Welt wird das immer wichtiger: Junge Menschen sollen nicht nur vorhandenes Wissen abrufen, sondern lernen, sich neue Themen, Werkzeuge und Fähigkeiten eigenständig zu erschließen.
Quelle: angelehnt an die Empfehlung des Rates der Europäischen Union zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen










