Wenn über die Digitalisierung von Schule gesprochen wird, geht es meist um Tablets, digitale Tafeln, WLAN-Ausbau oder Lernplattformen. Das ist nachvollziehbar, denn diese Veränderungen sind sichtbar. Schülerinnen und Schüler lernen heute anders als noch vor wenigen Jahren, Lehrkräfte ebenso.
Weniger sichtbar ist allerdings eine Entwicklung, die aus Sicht kommunaler Schulträger mindestens ebenso bedeutsam ist: Die Digitalisierung verändert nicht nur die Schulen, sondern zunehmend auch die Schulträger selbst.

Susanne Beckmann
Leiterin des Amtes für Schule der Stadt Bielefeld und Mitglied des Vorstands des Bündnis für Bildung e. V.
Susanne Beckmann ist seit vielen Jahren in der öffentlichen Verwaltung tätig und bringt umfassende Erfahrung aus Schulverwaltung, Schulentwicklung und Bildungsplanung mit. Als Leiterin des Amtes für Schule der Stadt Bielefeld begleitet sie die Weiterentwicklung kommunaler Bildungsstrukturen und setzt sich für moderne, zukunftsfähige Lernbedingungen ein.
BfB-Profil ansehenDiese Veränderung vollzieht sich eher schleichend. Es gibt keinen einzelnen Beschluss und kein Förderprogramm, mit dem sich die Aufgaben der kommunalen Schulträger grundlegend verändert hätten. Vielmehr zeigt sich im Arbeitsalltag zunehmend, dass Aufgaben übernommen werden, die vor wenigen Jahren kaum jemand mit kommunaler Schulverwaltung in Verbindung gebracht hätte.
Wer hätte beispielsweise vor zehn Jahren erwartet, dass Schulträger über Mobile Device Management, digitale Identitäten und Zugriffsrechte, Informationssicherheit, Lizenzmanagement oder den dauerhaften Support von mehreren zehntausend Endgeräten diskutieren würden?
Heute gehören genau diese Themen vielerorts zum Alltag.
Vom Schulhaus zum digitalen Ökosystem
Die klassischen Aufgaben kommunaler Schulträger sind unverändert bedeutsam geblieben. Schulgebäude müssen gebaut, erweitert und unterhalten werden. Schülerbeförderung, Ganztagsangebote, Ausstattung und Schulentwicklungsplanung bleiben zentrale Handlungsfelder.
Gleichzeitig hat sich das Aufgabenspektrum erheblich erweitert.
Heute betreiben Schulträger komplexe digitale Infrastrukturen. Sie verantworten Netzwerke, verwalten große Endgerätebestände, organisieren Supportstrukturen, koordinieren Softwarelösungen und berücksichtigen Anforderungen des Datenschutzes sowie der Informationssicherheit. Hinzu kommen Fördermittelmanagement, Lizenzverwaltung und die strategische Weiterentwicklung digitaler Bildungsangebote.
Viele dieser Aufgaben wurden zunächst als zeitlich begrenzte Projekte verstanden. Rückblickend zeigt sich jedoch, dass diese Einordnung zu kurz gegriffen hat.
Die Digitalisierung der Schulen ist längst kein Projekt mehr. Sie ist Teil des kommunalen Regelbetriebs geworden.
Diese Erkenntnis mag zunächst selbstverständlich erscheinen. Tatsächlich hat sie jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Organisation kommunaler Verwaltungen.
Die größten Herausforderungen entstehen heute oftmals nicht an technischen, sondern an organisatorischen Schnittstellen.
Die eigentliche Herausforderung ist häufig nicht technischer Natur
In der öffentlichen Diskussion wird Digitalisierung häufig vor allem als technische Aufgabe verstanden. In der kommunalen Praxis zeigt sich jedoch zunehmend ein anderes Bild.
Die größten Herausforderungen entstehen heute oftmals nicht an technischen, sondern an organisatorischen Schnittstellen.
Wer ist zuständig? Wer entscheidet? Wer priorisiert? Wer koordiniert? Wer trägt letztlich die Verantwortung?
Die Einführung einer digitalen Lernplattform beispielsweise ist technisch häufig weniger anspruchsvoll als die organisatorische Abstimmung zwischen Schulverwaltung, IT, Kämmerei, Datenschutz, Informationssicherheit, Vergabestelle und den Schulen selbst.
Gerade hierin liegt eine der zentralen Herausforderungen für kommunale Schulträger. Die bestehenden Verwaltungsstrukturen sind über Jahrzehnte für andere Aufgabenstellungen gewachsen. Die digitale Transformation erfordert hingegen zunehmend bereichsübergreifende Zusammenarbeit, neue Steuerungsmodelle und veränderte Verantwortlichkeiten.
Digitalisierung wird zur Organisationsentwicklung
In vielen Kommunen lässt sich deshalb eine Entwicklung beobachten, die bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erfährt: Die Digitalisierung der Schulen führt zwangsläufig auch zu einer Transformation der Schulträgerorganisationen.
Es entstehen neue Rollen und neue Aufgabenprofile. IT-Koordination, Digitalisierungssteuerung, Projektmanagement, Informationssicherheit oder Prozessmanagement entwickeln sich zunehmend zu eigenständigen Handlungsfeldern.
Gleichzeitig verändern sich Führungs- und Steuerungsaufgaben. Entscheidungen müssen häufiger bereichsübergreifend getroffen werden. Technische, finanzielle, rechtliche und pädagogische Perspektiven sind zusammenzuführen. Abstimmungsbedarfe nehmen zu.
Die Frage, wie Menschen und Organisationen zusammenarbeiten, wird damit mindestens ebenso wichtig wie die Frage nach der eingesetzten Technologie.
Bund und Länder sehen für den DigitalPakt 2.0 bundesweit insgesamt rund 5 Milliarden Euro für die digitale Bildungsinfrastruktur vor. Davon entfallen 2,5 Milliarden Euro auf den Bund und 2,5 Milliarden Euro auf die Länder.
Quelle: Aktueller Überblick für Schulen und SchulträgerVom Förderprojekt zum Dauerbetrieb
Die vergangenen Jahre waren stark durch Förderprogramme geprägt. Insbesondere der DigitalPakt Schule hat bundesweit erhebliche Investitionen ermöglicht und wichtige Entwicklungen angestoßen.
Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die eigentliche Herausforderung häufig erst nach Abschluss der Förderprogramme beginnt.
Endgeräte müssen ersetzt werden. Systeme benötigen Updates. Sicherheitsanforderungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Supportstrukturen müssen dauerhaft finanziert und vorgehalten werden. Gleichzeitig entstehen fortlaufend neue pädagogische Anforderungen.
Aus Investitionen werden Betriebsaufgaben.
Aus Förderprojekten werden dauerhafte Prozesse.
Und aus Innovationen werden Regelstrukturen.
Gerade diese Transformation vom Projekt in den dauerhaften Betrieb beschäftigt viele kommunale Schulträger inzwischen stärker als einzelne technische Fragestellungen.
Die eigentliche Zukunftsfrage
Die Digitalisierung der Schulen wird auch in den kommenden Jahren eine zentrale kommunale Aufgabe bleiben. Die technische Ausstattung wird dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Die entscheidende Frage lautet jedoch zunehmend anders: Sind die kommunalen Organisationen selbst bereits so aufgestellt, dass sie digitale Bildung dauerhaft ermöglichen, steuern und weiterentwickeln können?
Möglicherweise liegt genau darin die nächste große Etappe der digitalen Transformation.
Denn während vielerorts inzwischen beantwortet wird, wie Schulen digital werden können, rückt zunehmend eine andere Frage in den Mittelpunkt:
Wer digitalisiert eigentlich die Schulträger?
Auf diese Frage gibt es vielerorts bereits überzeugende Antworten und interessante organisatorische Ansätze. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass die digitale Transformation der Schulträger kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Organisationsentwicklungsprozess ist. Dieser Prozess benötigt neben Ressourcen und fachlicher Expertise vor allem eines: Zeit.











